Lichtaufbau Pasinger Bahnhof

Mit Abdeckfahnen gegen die Sonne ankämpfen...

Es war diesmal gar nicht einfach für Doris Wedemeier, die Herstellungsleiterin des Filmstudiengangs der Macromedia Hochschule, für den Drehworkshop eine leerstehende Wohnung zu organisieren. Die großen Umbau,- und Modernisierungsprojekte innerhalb Münchens sind weitgehend abgeschlossen, so war das Angebot kleiner als klein.

 

Doch irgendwie schaffte sie es dennoch, ein leerstehendes Haus für uns zu finden. Doch gleich bei der Erstbegehung zeigten sich dann die Herausforderungen: Keine Türen, keine Böden mehr, alles leer und kahl... die Studierenden standen vor eine gewaltigen Herausforderung, musste das Motiv doch innerhalb weniger Tage mindestens drei verschiedene glaubwürdig bewohnt und filmisch zudem attraktiv aussehende Räumlichkeiten anbieten.

 

Weitere logistische Probleme lauerten im Verborgenen. Woher den Strom nehmen,- was tun ohne fließendes Wasser, fehlende Toiletten etc. So hatten denn alle, den Regieprofessor Mathias Allary sowie den Kameramann Volker Tittel eingeschlossen, Sorge, wie sich die vielen Probleme rund um das Haus lösen lassen würden.

 

Drehtag 1

Lichtaufbau Pasinger Bahnhof

Grelle Sonne ist für Gesichter unschön, wenn man keinen Butterfly und keine Frostrahmen zur Verfügung hat, muss man improvisieren...

Der erste Drehtag des diesjährigen Workshops, der Bahnhofsvorplatz Pasing war, wie sich das gehört, an den Anfang gesetzt worden, um ggf. bei Regen auf das Innenmotiv ausweichen zu können. Da das Wetter hielt, wurde in Pasing gedreht, schon früh morgens zeichnete sich ab, dass die Sonne hart und der zu erwartende Kontrast hoch sein würde. Studierende aus dem vierten Semester waren extra gekommen um die Zweitsemester beim Handling des Equipments zu unterstützen.

 

Normalerweise löst man derartige Lichtsituationen mit einem großen Butterfly, welches das Sonnenlicht milder, weicher macht, aber ein anderes Hochschulteam, welches parallel drehte, hat sich einige existentielle Hilfsmittel reserviert, die wir dringend benötigt hätten. So blieb nur, wenigstens die Schauspieler im Bild an den Positionen, an denen sie stehen blieben und Dialoge hatten, mit Fahnen abzuschatten und gleichzeitig mit Styropor, der weiches Licht reflektiert, wieder aufzuhellen.

 

Reibungslose Organisation

Volker Tittel

Kameramann Volker Tittel mit den Studierenden aus dem zweiten und vierten Semester

Auch bei der Schienenfahrt zeigten sich Probleme unfairer Equipmentverteilung,- das andere Team hatte so gut wie alle Klötzchen, die eigentlich zu unseren Schienen gehörten, abgezogen, wodurch es schwierig wurde, Unebenheiten auf dem Boden auszugleichen. Die Organisation am Drehort klappte vorbildlich, einschließlich Catering und Absperrungen. Bemerkenswert auch, wie alle verlegten Kabel professionell gesichert und gekennzeichnet waren, dass keine Passanten darüber stolpern konnten.

 

Leider hatte man die Filmklappe vergessen, so behalf sich das Team mit einer Handy-App, welche allerdings wegen der hellen Sonne, dann doch nicht immer so einfach ablesbar war. Zudem war der Schärfeweg vom kleinen Handydisplay zu den handelnden Schauspielern im Bild recht lang, das hat Zeit gekostet. Schnell wurde jedem klar, dass eine echte klassische Klappe unbedingt besorgt werden musste.

 

Szene wird gedreht

Auch für den Ton war die Szene wegen der vielen Nebengeräusche eine große Herausforderung

Die Regiestudentin des ersten Tages machte sich, unterstützt von ihrer Regieassistentin, die alle Beteiligten über die Abläufe und jeweiligen Umbauzeiten informierte, souverän an die Umsetzung der ersten Szenen des Filmes, die Versuche von Filmfigur Ben, Frauen am Bahnhof anzusprechen und zu überreden, mit ihm zu kommen.

 

Volker Tittel stand den Studierenden für die Bildseite zur Verfügung und gab unermüdlich Tipps, wie man mit geringem Aufwand massive Verbesserungen der Bildgestaltung herbeiführen konnte. Cool auch sein Tipp, dass wenn man Komparsen vor den Filmfiguren durchs Bild wischen lassen möchte, es Sinn macht, diese etwas diagonaler und nicht quer kreuzen zu lassen, damit diese länger als nur 2,3 Frames im Bild zu sehen sind. Und wie man mit den Richtungen schummeln kann, etwa für den Gegenschuss zu einer bereits gedrehten Einstellung, erklärte der erfahrene Kameramann gleich mit. Wichtig ist nicht, wie es räumlich tatsächlich ist, sondern nur, ob man es dem Zuschauer glaubhaft verkaufen kann.

 

Die Schauspieler Anna Dietmann und Olaf Becker, die in den Szenen zwei der Hauptrollen verkörpern, lassen sich mit großem Engagement auf die Filmstudierenden ein und sorgten mit dafür, dass alle den ersten Drehtag als erfolgreichen Start in die zwei Drehwochen empfanden. Alle waren begeistert von der perfekten Organisation des Drehs und gspannt auf unseren ersten Drehtag am Innenmotiv in München Rammersdorf. Und ein unerwartetes Learning kam von ganz anderer Seite- die Sonne war derart intensiv, dass mangels Sonnenchreme einige im Team sich den ersten Sonnenbrand des Jahres eingefangen hatten. Manchmal sind Caps und Sonnenchreme eben doch gar nicht schlecht...

 

Teil 2 unseres Drehberichts