Verlängerung

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Lang ersehnt und eine größere Freiheit am Drehort eröffnen die 16 GB Karten im P2 Format

Seit Sommer 2007 gibt es sie, die 16 GB P2 Karten, welche Aufnahmezeiten von 16 Minuten erlauben. 2008 folgten 32 GB, darauf dann 64 GB Karten

 

Ir beziehen uns hier auf die 16 GB Karten. Verwendet man den 720p25pn Modus (nicht alle Schnittprogramme unterstützen diesen!) der HVX 200 sind sogar 32 Minuten pro Karte möglich, bei zwei Einschüben in der Kamera also über eine Stunde ,- eine durchaus beachtliche Aufnahmezeit.

Diese erfreulichen Veränderungen im Workflow des leiderfahrenen Filmteams wurden allerdings durch einen im wahrsten Sinne winzigen Zwischenfall etwas getrübt.

 

Proprietäre Medien

Es gab bisher keinen Zweifel,- die hervorragende HD-Bildqualität zum moderaten Preis hat das eigenwillige Handling mit dem Überspielen der Daten auf Festplatten gerechtfertigt. Längst stapeln sich die Festplatten, warten darauf nach Endabnahme des aktuellen Projektes gelöscht zu werden. Zwischen 7 und 8 GB für 8 Minuten, das ist eine Menge Information, aber die Bildqualität will ja irgendwo untergebracht und nicht völlig wegkomprimiert werden.

 

Und dass man die teuren P2-Store oder P2-Deck Lösungen von Panasonic mehr oder weniger elegant mit dem an den Drehort mitgeführten Notebook umgehen und die Karten im PC-Card Slot auf die Hard-Disk des Notebooks überspielen konnte, war ebenfalls ein sinnvolles Feature.

 

Bis zu jenem düsteren Drehtag, an dem die nagelneue 16 GB Karte nicht mehr aus dem Slot kommen wollte und der Rückhol-Knopf abbrach. Die Karte ließ sich schlicht nicht mehr aus dem Slot entfernen. Erst nach Aufschrauben des Notebooks konnte die Karte manuell wieder herausgeschoben werden. Dieser Zwischenfall offenbarte drastisch, welche Fragen in Zusammenhang mit diesem Verfahren eher ungeklärt sind.

 

Reparaturversuche

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Dieses unscheinbare Stück Plastik,- der gebrochene Auswurf Knopf des PC-Card Slots im Notebook gefährdete die weiteren Dreharbeiten

 

Die Recherche zeigte, dass der Austausch von PC-Card Drives (auch PCMCIA Typ 3 genannt)  in Eigenregie nicht vorgesehen ist. Bei keinem Notebook-Hersteller. Gibt man es in den Service sind, wenn es überhaupt noch per Austausch geht, 2-400 Euro fällig. Ein Betrag der sich bei einem nicht mehr ganz frischen 1000 Euro Notebook nicht unbedingt mehr lohnt.

 

Die Hoffnung, mit einem externen PC-Card Laufwerk, welches man per USB an das Notebook anschließt, weiterarbeiten zu können, zerschlägt sich nach umfangreicher Suche. Die wenigen Slots, die es gibt, sind alle so langsam, dass ein sinnvolles Arbeiten bei den Datenmengen nicht möglich ist. Die Leseeinheiten sind nämlich direkt mit dem Bus des Motherboards verbunden.

Einzig für Desktop-Rechner, die man ja schwerlich bei Außendrehs mitführen kann, gibt es (noch) Slots zum Nachrüsten, welche das Überspielen ermöglichen. Das vorsichtig in Klammern gesetzte "noch" weist auf eine andere Problematik hin, die sich bei dem Versuch, Plan "c" , den Neukauf eines Notebooks anzustreben, zeigte. Die Normierungskommission hat die Entwicklung des PC-Kartensystems offiziell bereits 2005 beendet.

 

Aktuelle Notebooks verweigern sich mehrheitlich den PC-Cards, sie besitzen die neuen, schnelleren und kleineren Express-Card Slots. Nur noch technisch nicht mehr ganz aktuelle Notebooks sowie einige wenige Geräte mit beiden Schnittstellen erlauben es für eine kurze Übergangszeit, noch P2 (= PC-Card) Karten direkt im Notebook verwenden zu können.

Ja, gewiss, man hört inzwischen auch von Adaptern, die von Express-Card auf PC-Card übersetzen sollen. Doch wer so ein Teil mal in Augenschein genommen hat, wie es wie ein Flugzeugflügel aus dem Notebook ragt, dem stellt sich rasch die Frage, wie lange die fragilen Kontakte im Notebook das mitmachen werden.

 

Rettung

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Ein Streifen Paketklebeband macht das Drehen wieder möglich, eine vorübergehende Lösung die hervorragend funktioniert

Kurz bevor der Ankauf eines veralteten Notebooks mit passendem PC-Card Slot als letzte Rettung zum Weiterdrehen umgesetzt wurde, gab es durch einen Insider-Tipp aus der PC-Kartenszene eine finale Lösung, die zumindest das weitere Arbeiten ermöglicht:

 

Man klebt einfach ein stück Paketband (braun oder transparent) unter die Karten und bildet damit außen eine kleine Lasche. Damit lassen sich die Karten problemlos aus dem beschädigten Slot ziehen und sie arbeiten auch in der Kamera einwandfrei.

 

Eine akzeptable, momentan machbare Lösung. Doch für die Zukunft bedeutet der Wegfall der PC-Card Slots in den Notebooks, irgendwann nur noch auf die proprietären Geräte eines einzigen Herstellers angewiesen zu sein, ein nicht wirklich beruhigender Gedanke.

 

Express-Gedanken

Für den neuen Kartenslot gibt es übrigens inzwischen von anderen Herstellern Flash-Speicherkarten mit bis zu 64 Giga zu deutlich niedrigeren Preisen. Diese sind bedauerlicherweise nicht mit den P2 Karten kompatibel, signalisieren aber vielleicht dem Hersteller der P2 Karten, sich Gedanken über die Preisgestaltung zu machen. Und dass wir natürlich an das Format glauben und weiterhin PC-Karten in Notebooks verwenden wollen, muss an dieser Stelle kaum erwähnt werden. Die Hoffnung stirbt zuletzt.